see me now

Warum vermissen wir Menschen? Und warum trifft dieser Schlag des Vermissens immer direkt in die Magengrube und schnürt uns die Luft ab und warum klammert sich das Vermissen in unserem Kopf fest und lässt keine anderen Bilder mehr rein und warum wirft es uns um und macht weiche Knie? Wenn wir jemanden vermissen, vermisst er uns dann auch gerade? Oder wenn wir jemanden vermissen, ist dann gerade jemand anderes bei ihm? Wird das Vermissen durch eine Reaktion ausgelöst, durch einen Funken oder einen Gegenstand? Was machen wir, wenn es uns einfach festhält und nicht mehr loslässt? Wird es zu einem neuen Freund dem man jeden Morgen freundlich einen guten Tag wünscht? Verlieren wir an Gewicht, wenn diese Leere des Vermissens immer größer wird? Können wir nichts mehr aufnehmen, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, mit dem Loch in uns fertig zu werden, bevor es immer weiter einreißt und wir uns darin verlieren? Wohin geht es, wenn die Erinnerung nur mal kurz verschwindet? Schaut es bei dem anderen nach ob es ihm gut geht? Warum wirft Vermissen so viele Fragen auf, doch wir bekommen nie Antworten?


Wenn ich dran arbeite, wenn ich in dieser Sitzung wieder feststecke, weil ich nur daran denken kann, dass ich es dir nicht erzählen kann. Dass ich mich bei allem immer wieder erinnern muss, es dir nicht mehr erzählen zu können. Doch egal wem ich es erzählen würde, es wäre nicht das gleiche. Es wäre distanziert, ohne Wärme, es wäre zensiert, ohne die Wahrheit, es wäre eine Hürde, ohne Erleichterung. Also bleibt es einfach bei mir. Ich schreibe, ich schreibe so viel zwischen die Zeilen. Ich hinterlasse wie eine Bekloppte Hinweise und hasse mich selber dafür. Dieses tägliche "was ich hätte sagen können" und es doch nicht getan habe. Du hast nicht gekämpft, ich hatte nicht die Chance dazu. Ich stehe da, mit nichts außer dem nicht endenden Bedürfnis einfach rauszuschreien, wie sehr du mir fehlst. Manchmal ist es fast so, als hätte ich mich daran gewöhnt. Es ist nicht mehr das ständige Stechen bei jeder Kleinigkeit, die mal uns gehört hat. Es ist das fiese, unberechenbare Überrollen, die Tränen auf dem Weg nach Hause, das Zittern am Abend im Bett, die Übelkeit nach Berührungen, die nicht von dir kommen und alles zusammen, wenn du deinen Blick abwendest. Dieses nicht gebraucht werden, dieses nicht dazu gehören, diese Distanz. Dein Verschwinden in der Menge. Es ist, als würde ich auch verschwinden. Ich werde wieder unsichtbar, ich verstecke mich. Ich will keinem auffallen. Denn der, der mich sehen soll, sieht mich schon gar nicht mehr.

nicht viel, nur ein pullover. das hat schon gereicht

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xoxo im gluecksfieber